Wie Psychologie in der Prävention von Wirtschaftskriminalität helfen kann

  • 24. Februar 2023
  • Beate Zuchantke
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Um Wirtschaftskriminalität in den Unternehmen zu verhindern, setzen die betroffenen Stellen auf vielfältige Kontrollmaßnahmen. Die Frage nach den Motiven der Täter bleibt dabei jedoch meistens unbeachtet. Benjamin Schorn verrät Ihnen im Folgenden, warum die Psychologie bei einer wirkungsvollen Prävention von Wirtschaftskriminalität hilfreich ist. Die Betrachtung von Tätern und deren Motiven sowie der Unternehmenskultur ergibt dabei ein ganzheitliches Bild.

Wirtschaftskriminalität: Die Frage nach dem Motiv

Welche psychologischen Faktoren spielen eine Rolle, wenn aus Mitarbeitern Täter werden?

Zunächst einmal ist wichtig zu verstehen, dass die allermeisten Mitarbeiter in Unternehmen grundsätzlich integer handeln. Auf Basis von destruktiven Gruppenphänomenen, Führungskonstellationen oder kulturellen Faktoren können sich Mitarbeiter allerdings situativ zu dolosen Handlungen verführen lassen. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit sowie die Akzeptanz von der eigenen Peer Gruppe wird dann kurzfristig höher gewertet, als sich an die Regeln zu halten.

Psychologie: Umgang mit potenziellen Tätern

Der Verdacht ist da. Welche Psychologischen Techniken und Tricks helfen bei der Befragung von Tätern?

In Befragungen hilft es zu verstehen, dass wir Menschen vor uns haben, die in der Regel auf Basis einer Belastungssituation illegal gehandelt haben. Die hinter dieser Belastungssituation liegenden Bedürfnisse und Emotionen sollten wir als Befrager begreifen und antizipieren, um einen echten Zugang zu den Zeugen oder Beschuldigten zu bekommen.

Prävention: Vertrauensbildende Maßnahmen

Welche Maßnahmen fördern die Integrität im Unternehmen?

Ganz bedeutsam für eine Integritätsförderung im eigenen Unternehmen ist das Vorleben entsprechender Verhaltensweisen durch den Vorstand oder die Geschäftsführung. Menschen orientieren ihre eigenen Handlungen weniger an abstrakten Regeln, die in einem Code of Conduct stehen, als vielmehr an dem, wie andere Menschen in ihrer Umgebung konkret handeln.

„Nicht Regeln erzeugen Verhalten. Verhalten erzeugt Verhalten.

Unternehmenskultur als Key-Faktor

 Welche Unternehmenskultur ist eine „Einladung“ zum Missbrauch. Und umgekehrt: Wie sollte eine Unternehmenskultur aussehen, in der es Tätern schwer gemacht wird, dolose Handlungen auszuführen? Welche Präventionen lassen sich daraus ableiten?

Eine Einladung zum Missbrauch nehmen die Mitarbeiter beispielsweise dann wahr, wenn sich die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens stets am Rande der Grauzone bewegt. Der nächste Schritt in die dunkelschwarze Illegalität ist dann nicht mehr so weit und kann leichter von den Mitarbeitern rationalisiert werden. Eine Art der Prävention wäre es, wenn integres Verhalten in die Vergütungsmodelle der Mitarbeitenden einfließt. Dazu gehört allerdings mehr als eine Teilnahmebestätigung an Compliance Trainings nach dem Grundsatz.

Seminartipp: Psychologie der Wirtschaftskriminalität

Lernen Sie im Seminar mit Benjamin Schorn wie wirksam die Psychologie im Erkennen von Motiven der Täter im Unternehmen und darüber hinaus auch bei der Prävention von Wirtschaftskriminalität ist.

Über den Autor:

Benjamin Schorn ist Forensic Investigation Spezialist und besitzt mehrjährige Erfahrung in der Durchführung forensischer Sonderuntersuchungen in Kriminalverdachtsfällen und hat unter anderem an der Aufklärung des Wirecard-Skandals mitgewirkt. Er ist Träger des einzigen weltweit anerkannten Titels im Bereich Forensik und Wirtschaftskriminalität und wurde 2021 in die Expertendatenbank der europäischen Strafverfolgungsbehörde EUROPOL aufgenommen. Herr Schorn ist Gründer und Leiter des Institutes für Governance & Psychologie und Lehrbeauftragter an der HTWK in Leipzig zum Thema Wirtschaftskriminalität. Sein aktuelles Buch “Gier, Macht, Scham? Die Motive krimineller Manager psychologisch erklärt.” wird vom Verlag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Spitzentitel für die Herbstbücher 2022 aufgeführt.

Beate Zuchantke

Ich bin Content Managerin bei der HAUB + PARTNER GmbH und bereits seit vielen Jahren Teamleiterin in der Mediengestaltung. Ich freue mich, Sie mit aktuellen Themen, Trends und Innovationen rund um das Thema Interne Revision zu informieren.

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