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Das sollten Sie über die Revision des Treasury Managements wissen

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15. Dezember 2023
Kaufmännische Revision
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Das Treasury-Management ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Diese reichen von hohen Finanzierungskosten über unsichere Zinsentwicklungen bis hin zu regulatorischen Veränderungen im Bereich "grüner Finanzierung" und ESG-gebundenen Finanzinstrumenten und vielem mehr. Die Interne Revision hat vor dem Hintergrund dieser Unsicherheiten eine wichtige Rolle, denn sie muss sicherstellen, dass die Entscheidungen nicht nur aktuell, sondern auch langfristig den wirtschaftlichen Realitäten standhalten. Unser Revisionsexperte Igor Ivanov gibt Ihnen im Interview eine Einschätzung der aktuellen Erfordernisse und zeigt Lösungsmöglichkeiten auf.  

Übrigens: im Seminar „Revision des Treasury Managements“, das von Herrn Ivanov geleitet wird, können Sie diese Erkenntnisse vertiefen und werden mittels zahlreicher Praxisbeispiele, Gruppendiskussionen und Workshops zielgerichtet durch das Thema geführt.

 

Experte Igor Ivanov

Igor Ivanov

Referent für Derivate- und Schuldenportfoliomanagement | Landesfinanzministerium der Freien und Hansestadt Hamburg

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Aktuelle Aufgaben im Treasury-Management

Welche Herausforderungen und Risiken ergeben sich aktuell für des Treasury Management?

Es sind vor allem die nach wie vor sehr hohen Finanzierungskosten, auch wenn es aktuell weniger herausfordernd ist als noch vor wenigen Monaten. Die EZB hat jetzt nach zehn Zinsschritten als Reaktion auf die Inflationsdynamik zwar keine weitere Zinserhöhung veranlasst. Die Zinsen sind mittlerweile teilweise bis über 50 Basispunkte gesunken und es wird im Markt von mehreren Zinssenkungen seitens der EZB im Jahr 2024 gesprochen. Ob das aber tatsächlich der Realität entsprechen wird, kann niemand sagen. Es ist aber auch auffallend, dass die sog. „inverse Kurve“ (Zinsen für Kredite mit einer kurzen Laufzeit sind höher als für lange Laufzeiten) dennoch weiter besteht. Der Kapitalmarkt bringt damit schon länger zum Ausdruck, dass die Inflation kurz- bis mittelfristig anhält bzw. die Investoren entsprechende Inflationsprämien einkalkulieren.

Es macht zweifellos Sinn sich Gedanken darüber zu machen, was genau vom Risiko bekannt und was davon nicht bekannt ist. Unsicherheiten, die sich daraus ergeben, dass wir größere Zusammenhänge nicht immer kennen, dürfen nicht vergessen werden und müssen weiter mitbedacht werden. Das kann z. B. in Form eines Modellrisikos geschehen, etwa bei den Zinskosten unter Berücksichtigung unterschiedlicher Finanzierungs- und Anlagestrategien.

Spezielle Bedeutung für die Interne Revision

Was bedeutet das alles für die Revision des Treasury Managements?

Operativ Verantwortliche müssen aktuelle Entscheidungen – sei es zu Projektfinanzierungen oder Portfolioumstrukturierung – unter sehr hohen Unsicherheiten treffen. Das war zu Zeiten der „normalen“ Zinsstrukturkurve noch nicht der Fall. Für die derzeitige Prüfungspraxis bedeutet das: ob heute getroffene Entscheidungen sich später als richtig oder falsch erweisen, dürfen nicht von einem bloßen Zufall abhängen. Denn im Nachhinein lässt sich Kritik leicht ausüben. Überprüft werden muss vielmehr, ob methodisch konkrete Ziele unter gegebenen Rahmenbedingungen richtig angegangen worden sind. Diese Entscheidungsfindung ist alles andere als trivial, da z. B. die eigene Ausgangslage – in Form der Portfoliostruktur oder Fälligkeitsstruktur – Handlungsalternativen auch einschränken kann.

Eine weitere Herausforderung ist, dass heute getroffene Entscheidungen im Treasury Management nicht gleich morgen oder übermorgen sichtbar werden. Es können Jahre vergehen, bis sich die Risiken auch in der Bilanz realisieren. Ein einfaches Beispiel: Die gegenwärtig hohen Zinsen wirken sich erst zeitverzögert auf die Durchschnittsverzinsung aus. Wann genau die hohen Zinsen auf der Zinsaufwandsseite sichtbar werden, hängt im Wesentlichen von der Fälligkeitsstruktur, Refinanzierungsstrategie, Laufzeitstruktur und einzelner Volumina ab. Muss (!) jetzt viel refinanziert werden, so wird ein später eintretendes niedriges Zinsniveau nicht so schnell im Portfolio ankommen, wie es wünschenswert wäre. Es muss also ein tiefes Verständnis der eigenen Portfoliostruktur und einzelner Abhängigkeiten von der Marktvolatilität und der Zinsstrukturkurve im quantitativen und qualitativen Sinne gegeben sein.

Aktuelle regulatorische Entwicklungen im Treasury-Management

Welche regulatorischen Entwicklungen im Finance-Bereich sind besonders relevant für die Prüfung des Treasury Managements, und wie sollten Revisoren diese berücksichtigen?

Auf der Tagesordnung steht der sozial-ökologische Umbau der kompletten Wirtschaft sowie der ganzen Gesellschaft. Das betrifft Finanzströme, etwa in Form einer „grünen Finanzierung“, deren Verwendung nur für nachhaltige Zwecke verwendet werden darf. Weiterhin tangiert es aber auch ESG gebundene (strukturierte) Finanzinstrumente, die davon abhängen, ob individuell festgelegte Nachhaltigkeitsziele erreicht werden.

Wenn wir bedenken, dass rund die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung in geringem bis hohem Maße von der Natur und Naturereignissen abhängt, ist es eine Hürde herauszufinden, welche konkrete naturbezogene Abhängigkeiten im kurz- und langfristigen Kontext für das höchste Gut in einem Unternehmen – die Liquidität – bestehen.

Dafür ist eine Datenbasis notwendig, um das Risiko zu identifizieren und beispielsweise eine finanzökonomische Versicherung der Zahlströme in Betracht zu ziehen. Im Bereich der Green Finance und deren Regulierung, etwa der Berichterstattung oder der Rechnungslegung, werden viele kritische Diskussionen geführt. Meiner Meinung nach ist es sehr zielführend, wenn bei neuen Fachgebieten, vor allem von globaler Relevanz z. B. der Ökonomie oder den Rechtswissenschaften, wesentliche Inhalte von unwesentlichen getrennt werden und damit versucht wird betriebsinterne Prozesse schlank zu halten.

Erstellung einer effektiven Roadmap für das Treasury-Management

Welche Schritte und Prozesse sind für eine effektive Roadmap zur Erstellung eines Prüfkonzeptes für das Treasury Management zu beachten?

Das Treasury Management verfolgt grundsätzlich zwei Ziele, die miteinander im inhaltlichen Konflikt stehen: Wirtschaftlichkeit und Sicherheit in Form von kalkulierbaren Risiken. Es ist im ersten Schritt von fundamentaler Bedeutung einzelne Finanzinstrumente dahingehend zu verstehen, wie sie sich quantitativ unter bestimmten Rahmenbedingungen verhalten. Und hier spielen Annahmen eine wichtige Rolle, wenn man ein Portfolio auf Makroebene oder einzelne Instrumente auf Mikroebene einem Stresstest unterzieht. Es reicht beispielsweise schon aus, wenn man Annahmen bei Optionen in der Zeitachse auf unterschiedlichen Positionen verortet und damit beobachten kann, dass sich das Barwertrisiko verschieden verhalten wird.

Die Revision muss sich also auch entscheiden, ob sie entweder die Prozesse schwerpunktmäßig qualitativ prüft und damit sicherstellt, dass das Treasury Management alle internen und externen Aspekte sowie Individualitäten in ihrer Entscheidung berücksichtigt (also alle Aspekte im Denkprozess entsprechend ihrer Relevanz richtig gewichtet hat). Oder die Revision konzentriert sich auf die quantitativen Themen und untersucht, ob die relevanten Risiken richtig ermittelt wurden und beim Stress-Test plausible Annahmen getroffen worden sind (also einzelne Finanzinstrumente im konkreten Kontext richtig verstanden worden sind). Beide Perspektiven müssen sich auf interne Richtlinien und Ziele des Treasury Managements beziehen.

Nicht zu unterschätzen ist die Kommunikation. Prüfungsfeststellungen können nur dann einen positiven Beitrag zur Prozessoptimierung leisten – und das ist das wesentliche Ziel einer Revision – wenn sie inhaltlich rational, aber auch emotional auf positive Akzeptanz stoßen.

 

Denn man muss eines bedenken: die operative Einheit beschäftigt sich täglich mit diesen Themen. Die Revision nicht. Eine Prüfung muss also fachlich so erfolgen, dass auf der Gegenseite keine Zweifel an der Richtigkeit von Prüfungsfeststellungen aufkommen.“


Igor Ivanov

Analysemethoden im Treasury Management

Welche Methoden und Ansätze stehen zur Verfügung, um das Zinsmanagement, einer Prüfung zu analysieren? Wie können die damit verbundenen Risiken bewertet werden?

 

Als erstes müssen interne Vorgaben und Richtlinien genau studiert werden. Der Wortlaut spielt dabei eine wichtige Rolle. Je nachdem kann er unter Umständen einen sehr engen oder auch, und das würde die Prüfung insgesamt schwieriger gestalten, sehr weiten Ermessensspielraum bieten. Gegen diese Richtlinien werden sodann alle Entscheidungen, beispielsweise betreffend des Zinsmanagements (das können derivative Finanzinstrumente auf Makro oder Mikroebene, Abschlüsse zur Fremdkapitalmitteln oder auch langfristige Geldanlage im Rahmen des Asset Managements sein) gespiegelt und entsprechende Risikotreiber identifiziert.

Interne Richtlinien können aber auch abstrakt betrachtet werden, weil sie insgesamt sehr einschränkend gestaltet worden sind und dadurch das Treasury Management nicht in der Lage ist, Marktchancen wahrzunehmen, die eine höhere Rendite erlauben.

Anschließend muss das Risiko beurteilt werden, ob diese Entscheidungen auf Zufall, Irrtum oder Abweichungen von den erwarteten Ergebnissen zurückzuführen sind – insbesondere im Hinblick auf den tatsächlichen Aufwand für Schäden und Leistungen im Vergleich zum erwarteten Aufwand.

Was die Bewertung einzelner Risiken angeht, so stehen unterschiedliche IT-Plattformen zur Verfügung. Einzelne Instrumente oder gar Portfolien lassen sich bis zu einem bestimmten Grad an Genauigkeit etwa auf Bloomberg bewerten und „stressen“. Im Idealfall sind alle Daten in einem System derart hinterlegt, dass diese mit beliebigen Marktdaten verknüpft werden können, um entsprechende Simulationen durchzuführen. Wichtig ist nur, dass die Bewertung nicht isoliert erfolgt, sondern immer in Bezug auf die eigene Bilanz.

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